Beitrag von Holger Regber

Mit Beginn des Jahres 2022 war Schluss mit Theater im Schauspielhaus Chemnitz. Das Ensemble zog in die Interimsspielstätte Spinnbau. Für zwei Jahre, wie es hieß, um wichtige Ertüchtigungsarbeiten in der Spielstätte am Park der Opfer des Faschismus vorzunehmen. Doch dann bewegte sich nichts. Nur bedrohliche Meldungen kursierten. Die Inspektionen hätten einen weitaus höheren Sanierungsbedarf ergeben als ursprünglich geplant. Das spränge den ursprünglichen Zeit- und Finanzrahmen erheblich. Der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze versuchte mit dem Hinweis auf mögliche Fördermittel des Bundes zu beruhigen. Tatsächlich sagte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages im Dezember 2022 sechs Millionen Euro für die Sanierung des Schauspielhauses bis 2026 zu. Worauf sich wieder nichts bewegte. Kein Kran, kein Handwerkerfahrzeug und kein Bauschuttcontainer sind im August 2023 am Chemnitzer Schauspielhaus zu sehen. Noch nicht einmal eine Bautafel lässt sich finden. Stattdessen kursieren neuerlich bedrohliche Meldungen. Eine Ratsanfrage von PRO CHEMNITZ ergab, dass dem städtischen Theaterbetrieb im Kulturhauptstadtjahr 2025 die Pleite droht. Neben den inflationsbedingt hohen Tarifabschlüssen werden als zweiter Kostentreiber die zusätzlichen Mietzahlungen für die Interimsspielstätte des Schauspielensembles genannt. So wird es nun nicht nur im Kulturhauptstadtjahr keinen Spielbetrieb im Chemnitzer Schauspielhaus geben, auch Deutschlands größtes internationales Theaterfestival „Theater der Welt“, welches für das Jahr 2026 nach Chemnitz vergeben wurde, ist gefährdet. Ja, nach all den Verlautbarungen bezüglich der drohenden Pleite der städtischen Theater droht gar der Verlust von ein oder mehreren Sparten. Kein Schelm, wer vermutet, es könne angesichts der kritischen Sanierung die Sparte Schauspiel treffen.